Clubhouse - eine Einordnung
Erst seit gut zwei Wochen auf dem deutschen Markt, sorgt die neue App „Clubhouse“ schon jetzt für Furore, aber auch für viele kontroverse Diskussionen. Von totaler Begeisterung über die neuen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme und Interaktion bis zu harscher Kritik am Datenschutz sind die Stimmen vielfältig, gerade auch unter Liberalen. Cord C. Schulz, Leiter des Büros und Sprecher von Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdB, wagt eine erste Einordnung.
Die neue App „Clubhouse“ ist in aller Munde. Spontane Debatten mit Stimme, aber ohne Kamera zu tagesaktuellen Themen, jederzeit und überall. Gespräche mit den Freunden oder Thomas Gottschalk – in den Räumen von „Clubhouse“ tummeln sich vom Nachbarn bis zum A-Promi alle. Der Hype um diese App kommt daher nicht von ungefähr, wird aber begleitet von berechtigten Sorgen um den Datenschutz. Dabei gilt: Gerade wir als Liberale müssen uns dezidiert mit dem Datenschutz auseinandersetzen. Das ist liberale Kernaufgabe.
Gleichzeitig steht es Liberalen auch immer gut zu Gesicht, neuen Dingen offen zu begegnen und neben Risiken und Chancen aufzuzeigen. Nicht umsonst gibt es neben berechtigter Kritik auch viele positive Punkte und Argumente für diese App.
Es stimmt, dass es ärgerlich ist, dass Clubhouse bisher nur für Apple-Nutzer verfügbar ist und somit der Zutritt noch beschränkt ist. In Kürze soll die App jedoch auf Android erweitert werden Zudem gibt es für alle, die sich für Apple interessieren, erschwingliche „Basismodelle“ aus der SE-Reihe von Apple sowie Anbieter, die iPhones gebraucht, aber „runderneuert“ anbieten. Die App selbst besteht momentan aus einem Dutzend Gründern, die allesamt in den USA sitzen und vom Erfolg überrannt werden. Einen größeren Zugang wollen diese schnellstmöglich einrichten. Dass die Tatsache, dass man bisher noch zum Beitritt zu „Clubhouse“ von einem Nutzer eingeladen werden muss, auf eine elitäre App hindeutet, stimmt nur noch sehr bedingt. Unabhängig davon, dass es sich bei der App noch um eine Betaversion handelt und im nächsten Schritt die App für Alle (ohne Einladung) geöffnet wird, hat inzwischen jeder Nutzer so viele Einladungen erhalten, dass im Grunde jeder, den die App interessiert, an einen Zugang kommen kann. Zudem kommt, dass existente Nutzer Personen, die sich anmelden, aber keine Einladung haben, einfach freischalten können. Auch kommen die Nutzer von Clubhouse zwar aus einem bestimmten interessierten Umfeld, aber aus so vielen Branchen und Gebieten, dass es eine schlichte Fehlbehauptung ist, dass dort nur bestimmte und besonders elitäre Personen Mitglieder wären. Die Mitgliedschaft geht quer durch alle Gesellschaftsschichten. Von Politik über Bundesliga bis zu Freundschaft und Partys ist an Themen alles dabei.
Dazu kommt: Transparenz ist wichtig und liberales Ziel. Aber es gab schon immer kleine Gesprächsrunden und wird es auch immer geben. Das wichtige Ziel, dass elementare (politische) Informationen immer transparent zugänglich sein müssen, schließt nie aus, dass es auch politische Debatten, Frühstücke und Essen gibt , die vor Ort stattfinden, wo 30 Leute dabei sind und bei denen man einfach nicht alle einladen kann. Da ist ein Austausch mit politischen und anderen Spitzen mit 3000 Zuhörern, die mitdebattieren können, doch deutlich besser als gar keiner. Es beschneidet zumindest nicht die Informationsfreiheit. Es sind ja auch nicht alle Menschen in allen sozialen Netzwerken.
Es gibt keine Kommentare, Likes oder Dislikes. Clubhouse ist keine Textplattform, sondern eine Audioplattform. Das wird gerne mit der Kritik verbunden, dass diese Symbolik auf anderen Plattformen für soziale Selbstregulation stehen würde. Aber auch auf Facebook und Co. haben Likes und Kommentare nicht unbedingt eine soziale Selbstregulation. Das ist eine absolute Überschätzung dieser Funktionen. Dass aufgeklärte Selbstregulation auf Clubhouse nicht ermöglicht wird, ist hingegen schlicht falsch: Diese Selbstregulation entsteht selbstredend aus den Debatten, die ja persönlich mit der eigenen Stimme geführt werden. Dies ist allein schon vom logischen Standpunkt her um ein Vielfaches ehrlicher und besser als schnelle Texte oder ein Wutsmiley. Das ist viel stärkere soziale Selbstregulation in einer Form, die bspw. Facebook überhaupt nicht leisten kann.
Auf Clubhouse sind aktuell deutlich weniger rechtsradikale, antisemitische, homophobe, frauenfeindliche und gewaltbereite Gruppen als auf Facebook, twitter oder Instagram. Das wird vielleicht nicht immer so sein, aber der Friede ist bisher doch noch deutlich höher als auf jeder anderen Plattform. Auch mit Verschwörungstheoretikern wie Attila Hildmann muss man sich dort nicht herumschlagen. Wer ernsthaft behauptet, Nutzung und Bewerbung von Clubhouse würde solche Gruppierungen fördern, muss sich konsequenterweise sofort von allen sozialen Netzwerken abmelden - für immer. Wer seine Ruhe haben will, kann übrigens auch geschlossene Debattenräume in der App eröffnen.
Das heikle Thema Datenschutz: Wer Menschen zu Clubhouse einlädt, muss das Adressbuch teilen, das ist korrekt und bedenklich. Man muss es aber nicht, dann kann man nur eben keinen einladen. Viele Bedenken sind natürlich auch berechtigt und müssen beobachtet werden. Man muss aber auch festhalten: Unter dieser Prämisse sind auch WhatsApp, Facebook, twitter, Instagram und Slack bedenklich. Man muss aufpassen, dass man keine Doppelstandards aufsetzt, weil einem persönlich etwas nicht passt.
Wenn man all das berücksichtigt, kann Clubhouse durchaus ein sinnvolles Tool für den Wahlkampf sein. Unsere MdB Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat in den vergangenen zwei Wochen mit ihrem Clubhouse-Raum „MASZ am Mittag“ bis zu 1.500 Zuhörer und Mitdiskutanten gleichzeitig erreicht und an weiteren Räumen teil genommen, die auch von vielen Zuhörern außerhalb der „FDP-Blase“ besucht wurden. Themen und Sprecher waren dabei sehr vielfältig, im Folgenden ein Auszug der Aktivitäten:
- MASZ Mittag #1 mit Johannes Vogel, MdB
- MASZ Mittag #2 mit Ann Cathrin Riedel, Digital Expertin und LOAD Vorsitzende
- MASZ Mittag #3 mit Christian Lindner
- Bundeswehr Chat zum Dienstschluss
- Sven Liebert: Politischer Espresso mit MASZ
- Clubhouse Talk mit Jean Marie Magro (Bayerischer Rundfunk) zum Thema Lockdown verlängern. Diskussion mit Markus Blume, Generalsekretär der CSU
- Interview mit dem Tagesspiegel zum Thema Clubhouse
- Clubhouse Chat der FDP Bundestagsfraktion mit Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann Frau Oberstleutnant Anne Bressem zum Thema Drohnen- und Verteidigungspolitik
- Clubhouse Talk über die Invictus Games 2023 in Düsseldorf
mit Staatssekretär im BMVg Peter Tauber
- Politik am Abend: Gespräch mit dem ZDF über aktuelle Politik des Tages
- Clubhouse Digital Defence #1, Startups & VC‘s im Verteidigungssektor
Bisher stehen zivilisierte Debatten, ruhige Gruppen, gegenseitiger Respekt, direkter Austausch ohne große Einstiegshürden im Vordergrund, von Lieschen Müller bis eben Thomas Gottschalk. In den vergangenen Tagen konnte man mehr anregende Diskussionen führen als auf Facebook oder twitter im ganzen Jahr 2020. Es wird nicht immer so bleiben, für den Moment ist das toll.
Von Cord C. Schulz