Nina Kafaii ist 1.000. Mitglied der FDP Düsseldorf
Liebe Nina Kafaii, Glückwunsch als 1.000 Mitglied der FDP Düsseldorf. Was hat Sie dazu bewogen den Freien Demokraten beizutreten?
Nina Kafaii: Die Freien Demokraten verkörpern als Partei am ehesten meine Lebensphilosophie. Ich glaube daran, dass jedem Mensch dieselben Chancen zustehen. Aber ich bin eben auch davon überzeugt, dass jeder Mensch selbst für sein Leben und für seinen Erfolg verantwortlich ist. Der Staat sollte dafür sorgen, dass die Bedingungen zum sozialen, wirtschaftlichen und persönlichem Aufstieg jederzeit gegeben sind. Aber danach liegt es an jedem selbst diese Chancen auch wahrzunehmen.
Was war dabei der ausschlaggebende Moment für Ihre "persönlichen Unabhängigkeitserklärung“?
Nina Kafaii: Für mich war der ausschlaggebende Moment als ich merkte, dass der Wille des Volkes für Politiker in Entscheidungsfunktionen zunehmend an Bedeutung verliert. Mir geht es nicht darum die gesamte Coronapolitik zu kritisieren. Für jeden von uns stellte das letzte Jahr eine besondere und herausfordernde Situation dar. Natürlich sind hier Politiker nicht ausgenommen. Selbstverständlich muss sich eingeschränkt werden, wenn es das Infektionsgeschehen erfordert und es sollte außer Frage stehen, dass wir als Gesellschaft eine Verantwortung für einander haben. Aber bei allem Verständnis für die schwierige Lage darf nicht vergessen werden, dass wir immer noch Menschen sind.
Berlin versäumt es zunehmend ihre Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Die Menschen werden nicht miteinbezogen. Es wird keine klare Linie gefahren. Wir befinden und seit November in einem halben Lockdown, der niemandem hilft und allen schadet, vor allem dem Mittelstand. All dies treibt die gesellschaftliche Spaltung voran und befeuert kursierende Halb- und Unwahrheiten.
Hier war für mich der ausschlaggebende Moment gekommen, nicht weiterhin nur zuzusehen, sondern selbst politisch aktiv zu werden wie klein mein Beitrag auch sein mag.
Wie haben Sie die Coronapandemie bislang erlebt?
Nina Kafaii: Als im Januar letzten Jahres Corona das erste Mal medial präsent war, habe ich den Virus wie viele Menschen zunächst nicht wirklich ernst genommen. In einem Land, indem bei 0 Grad von einem „Kältechaos“ gesprochen wird, beginnt man schnell Schlagzeilen zu relativieren. Als im März dann aber der erste Lockdown kam und ein paar Wochen später die ersten Hilferufe von Intensivmedizinern und Bilder von Patienten an Beatmungsgeräten die Medien dominierten erkannte wohl jeder den Ernst der Lage.
Die Universität ist nun seit Januar letzten Jahres geschlossen. Wir haben seit sechzehn Monaten weder Kommilitonen noch Dozenten gesehen. Manche stecken es gut weg, andere und zu diesen Menschen zähle ich mich auch, leiden darunter.
Im Herbst ist Bundestagswahl. Was sollte sich aus Ihrer Sicht in Deutschland ändern?
Nina Kafaii: Ich denke, dass viele Probleme gelöst werden könnten, wenn den Menschen mehr politische Partizipation ermöglicht wird. Wenn Bürgerinnen und Bürger aktiv am politischem Geschehen beteiligt wären, würde dies das Verständnis für die Entscheidungen und somit auch die Akzeptanz der selbigen erhöhen. Hier wäre es vielleicht sinnvoll bereits in den Schulen zu beginnen um schon früh das politische Interesse zu fördern. Viele Schüler und Schülerinnen kennen Parteien allenfalls dem Namen nach. Inhalte und Ziele sind vor allem von kleineren Parteien unbekannt. Wir müssen die Jugend erreichen und für die demokratischen Ziele begeistern, damit sie im Erwachsenalter mündige Entscheidungen treffen können.
Was gefällt Ihnen an Düsseldorf und was sollte sich in unserer Stadt verbessern?
Nina Kafaii: Düsseldorf ist mein Zuhause. Ich fühle mich an vielen Orten wohl beispielsweise am Medienhafen, der Rheinpromenade, dem Grafenberger Wald oder dem Botanische Garten. All diese Orte haben ihren ganz eigenen Charme. Schade finde ich hingegen, dass ganze U-Bahn-Stationen und Straßen wie die Friedrich-Ebert Straße zum Drogen-Hotspot wurden. Man kann diese Straße nicht entlang laufen oder von der U-Bahn bis zur Rolltreppe gehen, ohne von Dealern belästigt zu werden. Hier müsste die Polizei und das Ordnungsamt viel härter durchgreifen.
Busse und U-Bahnen müssten enger getaktet fahren, sodass Abstände eingehalten werden können. Leider erlebe ich es immer wieder, dass gerade zur Mittagszeit, wenn die Schulen schließen Bahnen ausfallen. Düsseldorfs Schulen müssen mit Filteranlagen, einem schnellen WLAN, sowie leistungsfähigen Endgeräten ausgestattet werden. Wir brauchen für die FH und die HHU eine Perspektive!
Ich würde mir für Düsseldorf ein breiteres Kulturangebot wünschen. Museen verschiedenster historischer Epochen zum Beispiel. Dies würde auch weitere Arbeitsplätze schaffen und Düsseldorf für den Tourismus noch attraktiver machen.
Frau Kafaii, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Das Interview führte Mirko Rohloff. ![]()