Spannender Abend zur Einwanderungspolitik in Benrath: Was kann Deutschland von Kanada lernen?
In Deutschland fehlen Fachkräfte, und es ist klar, dass Arbeitsmigration ein Weg ist, diesen Fachkräftemangel zu verringern. Warum nicht also bei den besten lernen? Der OV-Süd hat seine Reihe der Benrather Schlossufergespräche mit diesem Thema fortgesetzt und – gemeinsam mit der Friedrich Naumann-Stiftung – die kanadische Botschaftsrätin und Migrationsexpertin Candace Brooks eingeladen. Einen Impuls lieferte die Düsseldorfer Ratsfrau Christine Rachner. Zu Gast waren auch der Konsul und die Vizekonsulin von Kanada in Deutschland.
Im Mittelpunkt der von Daria Jablonowska eröffneten Veranstaltung stand die Frage, wie es Kanada gelingt, einerseits ein attraktiver Lebens- und Arbeitsort zu sein, und andererseits die Einwanderungspraxis bedarfsorientiert zu gestalten. Und dies natürlich vor dem Hintergrund des unlängst verabschiedeten und von der FDP maßgeblich voran gebrachten Fachkräfteeinwanderungsgesetz aus dem März dieses Jahres, das nun im November teilweise in Kraft treten wird.
Christine Rachner lieferte einen ersten Impuls, indem sie transparent die Lage des Arbeitsmarkts in Deutschland darstellte. 400.000 Menschen jährlich würden benötigt, damit das Arbeitskräfteangebot bis 2060 konstant bliebe. Es sei klar, dass die FDP für eine Politik stehe, die die legale Migration ermöglichen wolle, während gleichzeitig die illegale Migration verringert werden soll. Dies spiegel sich auch in dem aktuellen Gesetz der Bundesregierung.
Die Situation in Kanada sei – so im Anschluss Candace Brooks, Botschaftsrätin für Migration, Immigration, Refugees and Citizenship der Botschaft von Kanada – in einigen Aspekten ähnlich zu Deutschland. Auch Kanada benötigt Einwanderung, so verschiebt sich das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Rentnern in Kanada vermutlich von 7 zu 1 von vor 50 Jahren auf 2 zu 1 im Jahr 2035. Ähnlich sei die Situation im Gesundheitssystem, es gebe dort auch in Kanada ein Rekordhoch an offenen Stellen. Dabei waren Migranten in Kanada schon immer begehrt, denn die Bevölkerung zählt etwa 38 Millionen Menschen auf einer Fläche, die zehnmal so groß ist wie die Bundesrepublik. Seit 1967 gibt es ein Punktesystem, das Einwanderungswillige nach Ausbildung, Arbeitserfahrung, Sprachkenntnissen und Alter klassifiziert und im Ergebnis auch für eine große Akzeptanz der Einwanderung durch die Bevölkerung sorgt.
Natürlich – und das wurde bei der abschließenden Diskussion deutlich – gibt es weitere Punkte, die Migration nach Kanada zu vereinfachen. Dazu gehört etwa die Sprache, die es Einwanderern deutlich erleichtert, in Kanada zu leben. Wichtig für die Akzeptanz im Land selbst sei aber auch, dass die Kommunen und Regionen beteiligt wurden, so dass nicht nur die drei großen Städte von Einwanderung profitieren.
Den Abend schloss Christine Rachner, die noch einmal das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hervorhob und auf dessen positive Effekte für die Einwanderung nach Deutschland setzt.
Text: Matthias Lambert