Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann zum Tode von Monika Lehmhaus
Der Tod unserer Parteifreundin Monika Lehmhaus macht mich tief betroffen. Ich kannte sie seit 36 Jahren. Aus einer Parteifreundin wurde eine enge Vertraute.
Monika trat 1989 in die FDP ein und war von Stunde null an im Kreisverband aktiv. Sie war ohne Zweifel eine Ausnahme-Politikerin.
Ich habe sie als FDP-Neumitglied 1990 auf einer FDP-Veranstaltung kennengelernt und von diesem Moment an gingen wir gemeinsam durch dick und dünn in der Düsseldorfer Politik. Dabei fallen mir unglaublich viele, auch besonders lustige Momente in unserer gemeinsamen politischen Arbeit ein, nicht nur in den letzten Jahren, sondern in sage und schreibe dreieinhalb Jahrzehnten, in denen unsere Kinder erwachsen wurden, in denen wir zeitgleich Großmutter werden durften und in denen wir unsere geliebte Stadt Düsseldorf gerockt haben.
Monika war von 1994 bis 2004 Mitglied der Bezirksvertretung 04 (Oberkassel/Niederkassel, Lörick, Heerdt) und von 2004 bis 2025 Ratsfrau im Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf. Wenn sie etwas erreichen wollte, dann hat sie nicht mehr losgelassen, nicht immer zur Freude der anderen Fraktionen, der Stadtverwaltung und mehrerer Düsseldorfer Oberbürgermeister. Sie wusste: everybody’s Darling, is everybody’s Depp. Und sie wollte vieles, aber sicher kein Depp sein.
Sie war willensstark, hatte einen moralischen Kompass und eine klare Vorstellung von kommunalem Engagement. Und sie sprühte vor Ideen. Sie war der Auffassung, dass man sich immer so nachhaltig für die Stadt engagieren und die Folgen bedenken sollte, als ob man ewig leben würde.
Bereits 1990, ein Jahr nach ihrem Eintritt in die FDP, gründete sie gemeinsam mit Suzanne Oetker das Liberale Forum für Frauen „Lib’elle“. Einige Jahre später brachte sie zusammen mit Jürgen Schroer und Hergard Rohwedder das „Liberale Netzwerk“ auf den Weg. Und, was immer Monika organisierte, die Düsseldorfer Gesellschaft kam zahlreich und sehr gerne. Sie fühlte sich aber auch auf der Straße in ihrem Viertel zu Hause. Im Wahlkampf gab sie alles.
Sie konnte Menschen überzeugen und ihre Wahlergebnisse im linksrheinischen Düsseldorf sprechen unübertroffen Bände. Das Besondere an ihr war, dass ihr kein Thema zu klein war, um sich damit nicht auseinanderzusetzen. Sie war ganz nah dran an den Bürgern dieser Stadt, auch als Mitglied im Beschwerdeausschuss, denn sie ging jedem Problem nach. Und feiern konnte die gebürtige Heidelbergerin auch. Monika war allzu gerne Teil des Sommers – und Teil des Winterbrauchtums. Wie heißt es so schön: Sie war mittendrin, statt nur dabei. Und das hat sich besonders bemerkbar gemacht, wenn es um die Schwächeren in der Stadtgesellschaft ging.
Sie gründete und organisierte „sports partnership eV.“. Unter der Überschrift „Sport macht fit. Sport integriert. Sport vermittelt Werte“, ging es im wahrsten Sinne des Wortes darum, Kinder und Jugendliche mitspielen zu lassen. Im Sport und auch im Leben. Der Verein fördert bis heute Sportprojekte für Kinder und Jugendliche, die einer besonderen Förderung bedürfen oder in Düsseldorfer Stadtteilen mit sozialem Handlungsbedarf leben. Darüber hinaus realisiert der Verein gemeinsam mit Partnern den Bau von multifunktionalen Sportflächen. Monika war sich sicher, dass Sport ein Vehikel dafür ist, gesellschaftliche Integration zu ermöglichen. Und der Erfolg gab ihr recht. Wenn sie für ein Thema, eine Idee brannte, dann zündete sie andere an, vor allem ließ sie nicht locker, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Sport auch und unbedingt im öffentlichen Raum stattfinden soll und nicht nur in den Vereinen. Diese Arbeit war zutiefst sozial und ihr wurde nicht umsonst für dieses Engagement im Mai letzten Jahres das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Ihre Freude über diese sichtbare Anerkennung hat ihr gerade in der Zeit ihrer schweren Krankheit besonders gutgetan.
Und genau so begeistert war sie beim Thema Kultur. Der Oper gehörte ihr Herz bis zum letzten Augenblick, und auch da war sie streitbar: Sie wollte den Neubau der Oper, aber nicht irgendwo und nicht aufgeblasen als ein Zentrum, wie sie es bezeichnete, für „Düsseldorfer Allerlei“. Sie war genervt darüber, noch vor kurzem zu erfahren, dass großartige Bühnenkulissen lieblos in feuchten Containern eingelagert worden waren. Denn wenn Steuergeld verbrannt wurde, dann wurde sie fuchsteufelswild. Noch vom Krankenbett aus, hat sie als „Vorsitzende der Freunde der Deutschen Oper am Rhein“ mit den Verantwortlichen darüber diskutiert.
Vor allem aber war Monika Lehmhaus ein wunderbarer Mensch. Ihre Liebe zu ihrem Mann Gisbert, zu ihren drei Kindern, Schwiegerkindern und Enkelkindern, war unübersehbar. Sie pflegte Freundschaften, ihr Haus war offen für Gäste. Sie nahm am Leben anderer teil und sie war dankbar darüber, vom Rat der Stadt für ihr 30 Jahre langes Engagement geehrt und freundschaftlich verabschiedet worden zu sein.
Monika und ich waren eng verbunden miteinander, und ich bin berührt davon, wie klar sie ihrem Tod entgegenblickte. Wenn einer ihretwegen beunruhigt war, erklärte sie immer, man solle sich keine Sorgen machen, alles gehe seinen Gang. Selbst nach den vielen Operationen und Eingriffen war sie humorvoll und eine grenzenlose Optimistin.
Monika Lehmhaus ist am Ostersonntag gestorben, an dem Tag an dem die Christen weltweit, die Auferstehung und das Leben feiern.
Sie war ein wesentlicher Bestandteil des Kreisverbandes der FDP Düsseldorf und der Ratsfraktion. Besonders für Manfred Neuenhaus und für mich war sie Inspiration und eine wunderbare Freundin, Beraterin und Mutmacherin. Sie hat nicht nur uns, sondern vieles in der Stadt maßgeblich geprägt und beeinflusst. Mehr, als sie wahrscheinlich geahnt hat. Sie war mutig, voll von Tatkraft und Kampfgeist, gepaart mit hoher Empathie und Liebenswürdigkeit, was auch manche ihrer Widersacher entwaffnet hat.
Ich bin ihr als Freundin dankbar für jede Minute, die wir miteinander über 36 Jahre geteilt haben. Über das Vertrauen, über die gemeinsame Arbeit, über den Spaß und die Freude, besonders, wenn unserer Fraktion mal wieder allen Unkenrufen zum Trotz etwas Großartiges für die Stadt gelungen ist.
Sie wird jetzt ohne Zweifel den Himmel aufmischen und dem ein oder anderen trägen Engel, der es sich auf seiner Wolke allzu bequem gemacht hat, Flügel machen. Denn auch der Himmel ist nie so perfekt, dass eine Monika Lehmhaus nicht genug Ideen hat, ihn noch perfekter zu machen.
Eine großartige Mitstreiterin, Politikerin, Kollegin und wunderbare Freundin ist von uns gegangen.
Ich bin zutiefst traurig.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann MdEP