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Drei Zahlen, die zeigen, worauf es in NRW und Düsseldorf jetzt ankommt – ein Beitrag von Daisy Horn

Laut IHK NRW kämpfen 87 Prozent der Unternehmen mit deutscher und europäischer Bürokratie, bei Genehmigungsverfahren und Berichtspflichten, die den laufenden Betrieb zusätzlich erschweren. Dazu kommt außenwirtschaftlicher Druck: Knapp 85 Prozent der nordrhein-westfälischen Unternehmen berichten laut derselben IHK-NRW-Umfrage „Going International 2026“ von spürbaren negativen Folgen für ihr internationales Geschäft, vor allem wegen der seit Februar geltenden US-Zölle. Betroffen sind vor allem Betriebe, die selbst exportieren oder US-Niederlassungen haben, ein Profil, das auf viele Unternehmen im Wirtschaftsstandort Düsseldorf zutrifft.

Gleichzeitig sind landesweit in NRW rund 8.800 Lehrerstellen unbesetzt, wie das NRW-Schulministerium mitteilt, und die Abschlussquote in der beruflichen Bildung liegt bei 65,4 Prozent, deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von über 81 Prozent. Zwei Zahlen, die zeigen, wie sehr es dem Mittelstand in NRW gerade an qualifiziertem Nachwuchs fehlt, unabhängig von jeder einzelnen Konjunktur- oder Außenhandelslage. Wie viel Freiheit Schulen und Betriebe erhalten, um eigenständig auf solche Engpässe zu reagieren, statt auf Entscheidungen von oben zu warten, entscheidet zunehmend darüber, wie gut Schulen diese Lücken schließen und wie gut Betriebe im Wettbewerb bestehen. Auch in Düsseldorf spüren Schulen und Ausbildungsbetriebe diesen Mangel im Alltag ganz unmittelbar.

Eine dritte Zahl zeigt, wie ungleich Tempo und Zurückhaltung beim Thema Digitalisierung verteilt sind: Laut IHK NRW setzen bereits 39 Prozent der Unternehmen KI-Tools ein, weitere 30 Prozent planen den Einsatz zeitnah, doch viele Betriebe im Mittelstand zögern insgesamt noch, wie der Geschäftsführer von KI.NRW feststellt. Aus eigener fachlicher Beschäftigung mit dem Thema seit einigen Jahren weiß ich: Vielen Betrieben fehlt weniger die Technik als das Wissen, wo sie im eigenen Haus überhaupt ansetzen sollten. Hinzu kommt: Ab dem 2. August gelten die neuen Transparenzpflichten aus der europäischen KI-Verordnung, ein weiterer Punkt, bei dem vielen Betrieben mit ohnehin knappen Kapazitäten die praktische Unterstützung fehlt, um sie auch tatsächlich umzusetzen.

Für Düsseldorf lässt sich das an einer eigenen Zahl festmachen: Bei einer IHK-Umfrage zu den Folgen der US-Politik im vergangenen Jahr stammte die Hälfte der antwortenden Betriebe aus dem eigenen IHK-Bezirk Düsseldorf. Als internationale und wirtschaftlich vielfältige Stadt bekommt Düsseldorf die beschriebenen Entwicklungen also nicht nur am Rand zu spüren, sondern mitten im eigenen Wirtschaftsraum.

Was mich an diesen drei Zahlen beschäftigt, ist sowohl die Belastung selbst als auch das Tempo, mit dem darauf reagiert wird. Der Mittelstand in NRW zeigt an vielen Stellen, dass er bereit ist zu investieren, sei es bei der Ausbildung, bei neuen technologischen Werkzeugen oder im Umgang mit den Herausforderungen von außen. Woran es aus meiner Sicht hakt, ist nicht der Wille der Betriebe, sondern das Tempo, mit dem Politik diesen Wandel begleitet, und die spürbaren Belastungen, die währenddessen einfach bestehen bleiben.

Daisy N. Horn, Strategieexpertin, KI-Expertin

Mitglied der FDP Kreis Düsseldorf. Stellvertretende Vorsitzende im Landesfachausschuss NRW Bildung – Schule und frühkindliche Bildung. Vorstandsmitglied Liberale Frauen NRW/Düsseldorf

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