Kandidateninterview mit Laura Litzius
Liebe Laura Litzius, wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Pandemiebekämpfung und was ist jetzt weiter zu tun?
Laura Litzius: Die Corona-Pandemie hat unser Leben radikal verändert, das Virus bedroht unsere Gesundheit, das Leben, Arbeitsplätze und Unternehmen. Ich selbst arbeite seit März fast ausschließlich mit den Covid19-positiven Patienten.
In der Vergangenheit wurde beim Thema Katastrophenschutz und -vorsorge zu wenig getan. Verblüfft hat mich, dass das Robert Koch Institut (RKI) bereits im Jahr 2013 ein Pandemie-Szenario entwickelt hat. Es lassen sich erschreckend viele Parallelen zu der aktuellen Situation erkennen. Politische Konsequenzen wurden damals eher wenig gezogen. Wenn der Bundesregierung schon 2013 bewusst war, was passieren könnte, muss untersucht werden, warum hier nicht reagiert wurde. Vor diesem Hintergrund ist es umso enttäuschender, dass die Bundesregierung im gesamten vergangenen Jahr keine Langzeitstrategie entwickelt hat. Statt echte Perspektiven zu bieten, verlieren wir uns gerade in einem Klein-Klein aus Corona-Maßnahmen.
Für mich ist klar, dass das wichtigste in dieser Zeit ist, so viele Leben wie möglich zu retten. Im zweiten Schritt müssen wir uns jedoch Gedanken darüber machen, wie wir die sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die Folgen für unsere Gesellschaft und unser zukünftiges Zusammenleben lindern.
Mir fehlte außerdem in der Debatte ein Generationenmiteinander, gerade die junge Generation wurde in wichtigen Fragen und in der öffentlichen Diskussion wenig bis gar nicht einbezogen.
Sehr wichtig ist nun zu sagen, dass Freiheitseinschränkende Maßnahmen nur in absoluten Grenzsituationen des Lebens Anwendung finden dürfen. Sie müssen eine absolute Ausnahme bleiben.
Was sind neben Corona aus Ihrer Sicht die drei größten landespolitischen Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren und mit welchen Ideen wollen Sie diese angehen?
Laura Litzius: In den kommenden 5 Jahren sehe ich als wichtige Themen:
1. Duale Ausbildung stärken: Die Duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell, das anderen Ländern ein Vorbild ist. Besonders werben möchte ich für eine Aufwertung und Ausweitung der dualen Ausbildung. Sie ist kein Bildungsweg zweiter Klasse, sondern Fundament unserer robusten Wirtschaft. Ausbaufähig ist auch die Digitalisierung der Berufsschulen und die bessere Vernetzung von Auszubildenden in ganz NRW.
2. Eine liberale Wohnungsbaupolitik: In NRW fehlen nach Einschätzungen des Deutschen Mieterbunds Zehntausende Wohnungen. Um den Bedarf zu decken, müsse man pro Jahr rund 80.000 neue Wohnungen zur Verfügung stellen. Mangelnder Wohnraum und daraus folgende steigende Preise sind für viele Menschen – besonders für junge Leute – ein Problem. Liberale Lösungsansätze wären eine schnellere Ausweisung von Bauflächen, die Entbürokratisierung von Planverfahren und die Senkung der Grunderwerbsteuer.
3. Die Junge Generation besser einbinden: Als Folge der Corona-Pandemie hat gerade die junge Generation Chancen verloren. Gerade junge Menschen leiden massiv: Social Distancing, Verlust des Jobs und Aufschub wichtiger Lebensentscheidungen. Diese Versäumnisse müssen nachgeholt werden. Jeder Lückenschluss in den Lebensläufen der Menschen führt zu einer nachhaltigen Entlastung der sozialen Sicherungssysteme.
Was ist Ihr persönliches Herzensthema? Oder, anders formuliert: Für welches landespolitische Thema brennen Sie?
Laura Litzius: Mein absolutes Herzensthema ist das Thema Pflegepolitik. Gerade während der Corona-Pandemie ist die Pflege in aller Munde. Ich selber habe 2015 meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen.
Im Stationsalltag merkt man schnell, was der Personalmangel bedeutet und welche Folgen das am Ende für den Patienten und die pflegebedürftige Person hat. Überall fehlen Pflegekräfte, die Arbeitsbedingungen sind oft schwer und das Gehalt ist verglichen mit dem Aufwand sehr niedrig.
Es gibt massiven Nachholbedarf im Bereich der Finanzierung, der Digitalisierung und der Selbstverwaltung. Auch das Image der Pflegeberufe muss durch strukturelle Maßnahmen aufgebessert werden.
Was sollte aus Ihrer Sicht das Land in den nächsten Jahren konkret vor Ort für die Landeshauptstadt Düsseldorf tun?
Laura Litzius: Gebraucht wird ein besserer Ausbau der digitalen Infrastruktur und eine gute Verkehrsinfrastruktur. Außerdem wünsche ich mir eine sichere Krankenhausfinanzierung für die Düsseldorfer Krankenhäuser.
Zu guter Letzt: Wenn Sie gerade mal nicht Politik machen: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Laura Litzius: Meine Familie und meine Freunde stehen an erster Stelle in meinem Leben, so auch in meiner Freizeit. Daneben versuche ich viel Sport zu treiben, im letzten Jahr habe ich eine Vorliebe für Crossfit entwickelt. Dabei bekomme ich den Kopf frei und hole das Maximale aus mir heraus.
Laura Litzius, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führten Katrin Marie von Helden und Mirko Rohloff ![]()
Über Laura Litzius
Alter: 26 Jahre
Wohnort: Düsseldorf-Lohausen
Familienstand: ledig, lebe mit meiner Schildkröte zusammen
Beruf: Gesundheits- und Krankenpflegerin
Ausbildung/Studium: Staatsexamen Gesundheits- und Krankenpflegerin
Mitgliedschaften: Dbfk Nord West, Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Düsseldorf
Stärke: Beharrliches Temperament
Schwäche: Ungeduld und Eiscreme