Kandidateninterview mit Daniela Masberg
Liebe Daniela Masberg, wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Pandemiebekämpfung und was ist jetzt weiter zu tun?
Daniela Masberg: Während des ersten Lockdowns hatte ich großes Verständnis für die strikten Maßnahmen zur Eindämmungspolitik. Folgen, Übertragungswege und Gefährlichkeit des Coronavirus waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.
Jetzt sind wir aber ein Jahr weiter und bekämpfen die Pandemie weiter wie im Mittelalter. Hier sind bessere Strategien gefragt, die auf moderner Technik und klugen Anreizsysteme basieren. Dies beinhaltete mindestens wöchentliche Tests bei Schülern und Lehrern und eine freiwillige, aber schlagkräftige App, deren Verwendung den Bürgern dann aber auch weitere Freiheiten eröffnete.
Auch befassen wir uns zu wenig mit den Möglichkeiten kluger Teststrategien. Dürften sich Bürger ins Vergnügen testen, also nach einem selbst bezahlten negativen Schnelltest z.B. für 6 Stunde in Restaurants, Kinos oder Fußballstadien, profitierten alle: der Bürger, der seine Freiheiten für eine kurze Zeit wieder erlangt, der Gastronom, der wieder seinem Beruf nachgehen kann und schließlich, die Gesamtgesellschaft, die durch die Tests die Möglichkeit erhält, Infektionsherde früher zu erkennen.
Insgesamt dürfen wir den Blick auf die Pandemie nicht allein nach medizinischen Kriterien vornehmen, sondern müssen gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen ebenfalls berücksichtigen. Nordrhein-Westfalen ist dabei mit dem Expertengremium schon führend, es gibt aber noch viel zu tun.
Was sind neben Corona aus Ihrer Sicht die drei größten landespolitischen Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren und mit welchen Ideen wollen Sie diese angehen?
Daniela Masberg: Die drei Herausforderungen liegen in den Bereichen, die Corona am meisten geschädigt hat: die Bildungsbiografien unserer Kinder, die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Solidität der öffentlichen Haushalte.
Die Herausforderungen sind gewaltig. Wirksame Lösungen müssen radikaler und schneller implementiert werden, als wir es vor Corona für möglich gehalten hätten:
In der Bildung bedarf es einer Digitaloffensive, die auf dem während der Krise erreichten aufbaut. Dies beinhaltet multimediale Wissensvermittlung bei gleichzeitigem Wandel des Lehrers zum Bildungs-Coach. Wissenslücken müssen in einem großen Kraftakt durch schulisch organisierte Nachhilfe und Förderkurse sowie Ferienlernprogramme in den Schulen ausgeglichen werden.
In der Wirtschaftspolitik muss alles hinterfragt werden, was die Erholung bremst. Erforderlich sind einfache, schnelle, digitale Genehmigungsverfahren, die radikale Entschlackung von Vorschriften und die Ausweitung des Subsidiaritätsprinzips. Warum kann Ladenschluss nicht kommunal geregelt werden? Mit der zunehmenden Onlineaffinitäten verändern sich auch die Präferenzen beim Einkauf im stationären Einzelhandel. So müssen die Handelskonzepte im zunehmenden Maße deutliche Mehrwerte für die Kunden bieten. Hier müssen wir die rechtlichen Grundlagen für den Einzelhandel schaffen, die es ermöglichen auf diese veränderten Bedürfnisse der Kunden einzugehen.
Nach der Pandemiebewältigung muss schließlich Solidität in die Haushaltspolitik zurückkehren. Eine starke Priorisierung des Staates auf seine Kernaufgaben ist auch hier Schlüssel zum Erfolg.
Was ist Ihr persönliches Herzensthema? Oder, anders formuliert: Für welches landespolitische Thema brennen Sie?
Daniela Masberg: Ganz klar die Bildung. Ich träume von einem Nordrhein-Westfalen, in dem Kinder ohne schweren Taschen in die Schule gehen, alle Lerninhalte digital abrufbar sind und selbstständiges Lernen ermöglichen. Statt klassischer , meist veralteter und knapper Schulbücher wünsche ich mir kreative offene open-source-basierte digitale Plattformen, bei der verschiedenste Lern- und Unterrichtsmaterialien von verschiedenen Akteuren, (Lehrer, Universitäten, private Einrichtungen oder Verlage) in ständigem Wettbewerb darum stehen, wer die Schüler am besten auf die zentralen Prüfungen vorbereitet. Die freiwerdenden Mittel können u.a. in Lehrerfortbildung und Laptops für Schüler investiert werden.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Schule selbst vermittelt mehr als Lerninhalte, so dass diese in ihrer Form unbedingt erhalten werden sollten und möglichst auch außerhalb der regulären Schulzeit Angebote für die Schüler machen sollte.
Mein zweites Herzensthema ist ein Sportangebot für alle Kinder. Jedes Kind sollte seinen Lieblingssport in einem Verein ausüben können. Leider ist das heute ein Wunschtraum- lange Warteliste, zu wenig Übungsplätze und Trainer. Die sportlichen Kinder haben in der Regel keine Probleme in eine Mannschaft aufgenommen zu werden, wohl aber die nicht so sportlichen Kinder, wobei gerade diese ein solches Angebot benötigen würden.
Was sollte aus Ihrer Sicht das Land in den nächsten Jahren konkret vor Ort für die Landeshauptstadt Düsseldorf tun?
Daniela Masberg: Die Verkehrsprobleme und die damit verbundenen Herausforderungen können nicht allein kommunal gelöst werden. Hier wünsche ich mir auf Landesebene regionale Konzepte.
Daniela Masberg, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führten Katrin Marie von Helden und Mirko Rohloff ![]()
Über Daniela Masberg
Alter: 46 Jahre
Wohnort: Düsseldorf-Carlstadt
Familienstand: verheiratet, zwei Söhne
Beruf: Rechtsanwältin
Mitgliedschaften: Fraktionssprecherin der FDP in der BV1, Stellvertreterin Jugendhilfeausschuss, 2. Vorsitzende im Förderverein Comenius Gymnasium, Schriftführerin im Förderverein der Maxschule e.V., Fortuna Düsseldorf
Stärke: Gelassenheit
Schwäche: Ich kann weder Diät, noch singen.