Mut zum Leben: Warum ich die Widerspruchslösung unterstütze – ein Beitrag von Dr. Christine Rachner

Die Lungentransplantation der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit hat auch in Deutschland die Debatte über die Organspende neu entfacht. In Norwegen gilt die Widerspruchslösung: Wer nicht widerspricht, kommt grundsätzlich als Organspender in Betracht – Angehörige werden dennoch einbezogen. Genau diese Debatte brauchen wir auch hier.
Für mich ist klar: Ich spreche mich für die Widerspruchslösung aus.
Nicht, weil sie Menschen ihre Freiheit nimmt. Sondern weil sie Leben retten kann und die Selbstbestimmung trotzdem wahrt. Jeder Mensch kann Nein sagen. Jederzeit. Ohne Begründung. Aber wer nicht widerspricht, sollte anderen die Chance auf Leben geben können.
Ich habe erlebt, wie viel Hoffnung in einer einzigen Entscheidung liegen kann. Und ich weiß, dass hinter jeder Warteliste Menschen stehen. Familien. Partner. Kinder. Zukunft.
Deshalb wünsche ich mir:
• die Einführung der Widerspruchslösung mit einfachem Widerspruchsrecht,
• ehrliche Aufklärung in Schulen, Arztpraxen und öffentlichen Einrichtungen,
• ein digitales Register, das jeder kennt und leicht nutzen kann,
• starke Strukturen in den Krankenhäusern, damit mögliche Organspenden nicht an Organisation oder Personalmangel scheitern,
• und weniger Bürokratie im Transplantationssystem.
Organspende verbindet Freiheit und Verantwortung.
Wer widersprechen will, muss das selbstverständlich können. Aber wer helfen möchte, sollte nicht an Hürden scheitern.
Wir sollten den Mut haben, das Leben der Wartenden stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Dr. Christine Rachner